Dunkelläufe … schaurig-schön!

Ein Lauf im Dunklen ist etwas ganz Besonderes!
Eigentlich will man nicht, aber wenn man erst unterwegs ist, ist es ein unglaubliches Feeling!

Wer drei- bis viermal die Woche laufen will und ganztags arbeitet, kommt in dieser Jahreszeit wohl nicht drumherum – ein Lauf im Dunkeln ist fällig!
Vor der Arbeit dunkel, nach der Arbeit dunkel, nur ne halbe Stunde Mittagspause … da heißt es:

“Licht aus – Spot an!”

Stirnlampe 1

Und rein ins dunkle Vergnügen :)
Stirnlampe aufgesetzt (die stelle ich euch später noch genauer vor!), reflektierende Klamotten an, allen Mut zusammen genommen und ab geht’s.
Ich wohne dort, wo sich Hase und Igel gute Nacht sagen, bedeutet, wenn ich ein paar Kilometer zusammen kriegen will, muss ich auf jeden Fall die beleuchtete Dorfzone verlassen und raus in Feld und Wald. Und da ist es absolut zappenduster ;)
Keine Straßenlaterne weit und breit, und bei dem aktuellen Wetter – Regen, Wolken, Nebel – auch kein Fitzelchen Mondschein oder ähnliche romantische Dinge.
Nee … bloß das große Schwarz.

Hinzu kommt, dass ich meist alleine laufe. Ich bin wirklich kein Schisser, aber was man bei so einem Run durch die dunkle Nacht alles so empfindet ist schon schaurig.
Aber eben auch schön…
So auch heute. Gegen 17.00 Uhr laufe ich bei Nieselregen los, raus aus dem Dorf, ich lasse die letzten Laternen hinter mir und gehe tapfer den ersten Kilometer an.
Die Stirnlampe leuchtet recht weit, man sieht ganz gut wo man hintritt und läuft relativ sicher, was den Untergrund angeht. Was man so gar nicht mitkriegt, ist alles was um einen herum geschieht. Der Lichtkegel streut nicht so weit zur Seite, man läuft wie im Tunnel – nur fixiert auf das was da vor einem liegt.
Und dann … Schrecksekunde! … die ersten glühenden Augen, am Wegesrand… eine Katze … puh, gottseidank! Denn hier gibt es auch viele Wildschweine in der Gegend, und denen will ich weder im Hellen und schon gar nicht im Dunklen begegnen…
Man hört auf alle Geräusche … ist das mein eigener schneller Atem? Oder ist jemand hinter mir?
Ein Knacken im Holz, hektische Blicke zur Seite – die Lampe auf das gerichtet, was einen erwartet. Aber da ist … nichts … oder???

Und dann die ersten Hupen und Tröten der runtastic-App! Juhuuuu, ich bin gar nicht allein unterwegs! Ungemein beruhigend!! =)
Es fängt an stärker zu regnen. Die Regentropfen werden von der Stirnlampe angeleuchtet und schwirren wie Insekten vor meinen Augen.
Und dann … PLATSCH … trete ich in eine Riesen-Matschpfütze. Irgendwie hab ich die in dem schemenhaften Licht unterschätzt. Nasse Füße, der Matsch spritzt an mir hoch, egal … sieht ja keiner, hehe, is ja dunkel!

Ich kann meine Geschwindigkeit gar nicht richtig einschätzen, weil die Landschaft so grau-in-grau an mir vorbeihuscht, ich laufe wie auf dem Laufband, immer nur auf die nächsten Schritte konzentriert. Es ist richtig spannend, was kommt da wohl gleich als nächste runtastic-Zeitansage?
Dann denke ich kurz, ich hab Halluzinationen – ich sehe zwei neonfarbene Streifen durch die Luft fliegen, grün und pink. Hä? was ist das?
Beim vorsichtigen näherkommen, erkenne ich einen Hundehalter (unbeleuchtet) mit seinen zwei Vierbeinern, die reflektierende Neonhalsbänder tragen. Ich sag “Die sehen aber unheimlich aus im Dunkeln”, darauf antwortet er “na Du vielleicht nicht?” hihi, mir wird klar, dass ich für andere auch nur ein hell leuchtender Punkt bin. WER hatte jetzt wohl mehr Schiss? ;)

Etwas später eine neue Erfahrung: Kühe haben hinten keine Augen – ergo: leuchten auch nicht von hinten! Und als ich an einer Weide vorbeilaufe und sich die (bis dahin für mich unsichtbaren) Kühe plötzlich zu mir umdrehen, und mich mindestens zehn paar leuchtende Augenpaare anglotzen, krieg ich fast nen Herzinfarkt, mannomann ….
Weiter geht’s mit allerhand Gehupe, Getröte und persönlichen Motivationen meiner lieben verrückten Runtasten.
Oh ich liebe diese Truppe! Nie ist man allein, Angst im Dunkeln verflüchtigt sich im Nullkommanichts und man hat trotz Schietwetter ein fettes Grinsen im Gesicht.

Das Grinsen vergeht mir allerdings, als ich vor mir plötzlich einen Mann erkenne. Er geht da offensichtlich spazieren??? Jedenfalls hat er keinen Hund dabei – was zum Henker treibt der hier draussen? Mir wird unheimlich, ich lege einen Zahn zu, sprinte an ihm vorbei, murmele einen Gruß und sehe zu, dass der Abstand zwischen uns ganz ganz schnell größer wird. Als ich mich kurz drauf umdrehe hat die Dunkelheit ihn schon verschluckt… uuuuaaaaaahhhhh … was hab ich hier bloß für ein Hobby???

Am Waldrand, zwei weitere Kilometer später, sehe ich plötzlich aus den Augenwinkeln zwei leuchtende Augenpaare quer über die Wiese im gestreckten Galopp auf mich zukommen. Ich lege eine Vollbremsung hin und halte die Luft an … bitte bitte lieber Gott … lass es ein paar Rehe sein! Mein Stoßgebet wird erhört, die beiden laufen über meinen Weg und dann sehe ich nur noch ihr helles Hinterteil leuchtend und hüpfend im Wald verschinden … mein Pulsverlauf auf dieser Runde ist mit Sicherheit sehr untypisch ;)

Als ich später durch eine Straße im Ort laufe, sehe ich überall in den Häusern heimelig die Lichter brennen. Aber ich empfinde nicht die geringste Lust, jetzt da drinnen zu sein. Ich genieße es total, hier mit matschverschmierten Klamotten im Dunkeln durch den Regen zu laufen und würde am liebsten jede Runtastic-Motivation laut erwidern … “Yeah” “Come on” … ich fühle mich ganz großartig und hab ständig die Melodie von Rocky im Kopf – komisch? =)
Als ich nach 40 min. zu Hause ankomme, bin ich einfach nur glücklich und stolz – Mission Dunkellauf für diese Woche erfüllt! Tschacka!

Stirnlampe

Zugegeben, es gibt natürlich auch die Möglichkeit, sich einer Laufgruppe anzuschließen und mit anderen gemeinsam zu laufen, im Idealfall auf beleuchtetem Terrain.
Das hab ich letzte Woche auch ausprobiert, und es ist definitiv für die dunkle Jahreszeit eine gute Alternative.

ABER … bei so einem einsamen Run in absoluter Dunkelheit … da liegt auch Abenteuer in der Luft – und ich gestehe – ich find’s herrlich!
In diesem Sinne

keep on running… bis es wieder heißt “Licht aus – Spot an”

2 Gedanken zu „Dunkelläufe … schaurig-schön!“

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